Gelobtes Land

Vorwort von Stefan Dürr

Die russische Landwirtschaft kommt wieder zu Kräften. Dafür wurden gute Wirtschaftsbedingungen geschaffen, die Branche wird zielgerichtet vom Staat gefördert und entwickelt sich, landwirtschaftliche Flächen stehen wieder im Fokus. Wenig erfolgreiche Landwirte verlassen den Markt, die erfolgreicheren bauen dagegen ihre Positionen aus, neue Investoren kommen, und alle sind bestrebt, ihren Besitz an Grund und Boden zu vergrößern.

Die Bodenpreise sind in Russland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern und zu den USA relativ niedrig. In der letzten Zeit begannen sie aber auf Grund der großen Nachfrage zu steigen, und zwar erheblich. Einerseits ist das gut, denn Grund und Boden ist ein Sicherheitspfand für die Agrarbetriebe. Andererseits ist es schlecht, da dadurch dem Produktionsbereich Mittel entzogen werden. Das wiederum wirkt sich nicht besonders positiv auf die Entwicklung der Landwirtschaft aus. Denn die Landwirte müssen nun Investitionen in neue landwirtschaftliche Betriebe, Saatgutvermehrungsbetriebe oder Siloanlagen zugunsten des Erwerbs von Agrarflächen zurückstellen. Und das können beträchtliche Beträge sein.

Man muss den Boden aber nicht unbedingt kaufen, man kann ihn auch pachten. Das wird in der ganzen Welt recht effizient praktiziert. Leider aber ist das Pachten von Agrarflächen bei uns in Russland nicht so sicher wie in anderen Ländern.

Die unzureichenden rechtlichen Rahmenbedingungen machen die Pacht von Ländereien für den Pächter zu einer recht gefährlichen Angelegenheit. Wenn Du nicht der Eigentümer des Bodens bist, lassen sich tausend Möglichkeiten finden, um den Pachtvertrag zu kündigen. Mit diesem Problem wurden wir wiederholt konfrontiert.

Der Staat ist in der Lage, dieses Problem durch die Verabschiedung von Gesetzen zu lösen, damit das Institut der Bodenpacht genau so zuverlässig ist wie im Westen. Dann müssen die Landwirte keine Mittel für den Bodenkauf abziehen, sondern können diese in die Entwicklung ihrer Betriebe investieren und brauchen keine Angst mehr zu haben, die gepachteten Ländereien könnten Ihnen streitig gemacht werden. Dann werden die landwirtschaftlichen Flächen wirklich zum Gelobten Land, wo Überfluss herrscht.

Stefan Dürr

Präsident der Unternehmensgruppe EkoNiva

(EkoNiva News Nr. 55)

Übersetzung aus dem Russischen: Brigitte Resnik

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