Von jungen Menschen lernen

Die Jugend ist unsere Zukunft, das steht außer Frage: sie ist voller positiver Energie und bringt uns neue Ideen. Und das ist von unschätzbarem Wert. Das Rezept für unternehmerischen Erfolg besteht meiner Erfahrung nach darin, engagierte junge Menschen und erfahrene Fachkräfte zusammenzuführen.

Ich bin davon überzeugt, dass man jungen Menschen aufmerksam zuhören, eine offene und vertrauensvolle Beziehung zu ihnen eingehen muss - auch wenn das manchmal nicht einfach ist. Von ihnen hört man nämlich Dinge, die sonst niemand aussprechen würde. Ich beobachte leider immer wieder, dass Leute, zum Beispiel Führungskräfte meiner Generation – sei es in der Politik oder in der Wirtschaft –, kein offenes Ohr für junge Menschen haben. Das ist bedauerlich. Wir sollten unseren Dialog vertiefen, ihre Sichtweisen sind sehr wichtig.

Natürlich haben junge Menschen heute vollkommen andere Ansprüche und einen anderen Lebensstil. Das ist nicht verwunderlich, die Welt steht schließlich nicht still. Ich denke oft daran, wie sich meine Lebensweise von der meiner Eltern und erst recht von der meiner Großeltern unterscheidet. „Unsere Kinder sind so anders als wir”, hören wir oft. Das soll auch so sein! Unser Leben beschleunigt sich unentwegt.

Wenn wir wollen, dass junge Menschen heute auf’s Land ziehen und dort arbeiten, müssen wir dafür sorgen, dass sie angemessene Bedingungen vorfinden – die gleichen Bedingungen wie ihre Altersgenossen in der Stadt. Dazu zählen zunächst zwei arbeitsfreie Tage in Woche. Natürlich werden Sie jetzt einwenden, dass es zu sowjetischen Zeiten nicht einmal einen arbeitsfreien Tag gab. Aber das ist ein unhaltbarer Zustand.

Jeder aktive junge Mensch möchte sich in seinem Leben verwirklichen. Daher ist es so wichtig, die Strukturen im Team entsprechend zu gestalten. Die besonders einsatzbereiten und kreativen Mitarbeiter müssen Verantwortung bekommen. Vielleicht machen sie bei der Arbeit auch Fehler, aber sie werden Ziele vor Augen haben und diese auch erreichen. Gewisse Fehler sollte man ihnen nachsehen. Es ist allgemein bekannt: Nur wer gar nichts tut, macht keine Fehler. Junge Menschen denken heute vollkommen anders. Das sollte die Politik begreifen. Sehr viele junge Leute mit großen Potenzialen und klugen Köpfen wollen Russland verlassen. Woran liegt das? Das sollte uns zu denken geben.

Sie sind unzufrieden mit den derzeitigen sozialen Bedingungen und dem Lebensstandard, aber ein weiteres Problem ist, dass sie sich hier nicht verwirklichen können, wie sie es könnten. Sie denken, dass sie im Ausland bessere Chancen haben, ihre Ziele zu erreichen. In der Regel ist das nicht der Fall, aber die jungen Menschen begreifen das erst zu spät. Und dabei braucht Russland sie hier und heute. 

Stefan Dürr, Präsident der Unternehmensgruppe EkoNiva

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