Aus eigener Erfahrung

Intelligente Landwirtschaft

Am Anfang des dritten Jahrtausends revolutionierte ein neuer und mächtiger Entwicklungsimpuls die Landwirtschaft. Seine Potenziale schöpfte er aus einer Nutzung der Informations- und Raumfahrttechnik für den Landmaschinenbau. So entstand der Begriff der „intelligenten Landwirtschaft“ (smart agriculture).

Die Ressourcen und Methoden der Landwirtschaft, die unter diesen Begriff fallen, werden nach Auffassung von Experten innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre zum Standard jedes seriösen Landwirtschaftsbetriebs auf der Welt werden. Was es bedeutet, intelligent zu arbeiten, haben wir den ersten stellvertretenden Generaldirektor der EkoNiva-Technika-Holding Björn Drechsler gefragt.

„Björn, wie und wo ist die „intelligente Landwirtschaft“ entstanden?“

„Eine Vorreiterrolle spielte dabei ohne Zweifel John Deere. Im Jahr 1999 begann das Unternehmen, die Möglichkeiten der GPS-Technologie zu erforschen und unternahm erste Schritte, um sie für die landwirtschaftliche Produktion nutzbar zu machen. Später entwickelte John Deere auch eigene Softwarelösungen. Diese Lösungen ermöglichten es im Ergebnis, Technik in den Landwirtschaftsbetrieben auf einem vollkommen neuen Niveau einzusetzen. Für Betriebe, in denen über 10.000 ha Land bewirtschaftet wird, gibt es dazu auch keine Alternative.“

„Wie erklärt sich diese Notwendigkeit?“

„Die „intelligente Landwirtschaft“ bietet dem Management enorme Vorteile. Die heute in der Testphase befindliche Software mitsamt der Software für die Bestandserfassung, den satellitengestützten und anderen Spitzentechnologien ermöglicht es dem Management, sämtliche wichtige Unternehmenskennzahlen – von der Bodenbeschaffenheit und der Aussaat auf einem bestimmten Quadratmeter der Ackerfläche bis zur Leistung der Fachkräfte exakt zu verfolgen und zu analysieren. Das wiederum schafft die Voraussetzung, um die Kostenstruktur angemessen zu bewerten und zeitgemäße und richtige Entscheidungen auf der Leitungsebene zu treffen sowie den Boden mithilfe der modernen Technologie maximal effektiv zu bearbeiten. Die Wirtschaftlichkeit des Betriebs verbessert sich auf diese Weise – die Ernteerträge steigen und die Selbstkosten der Produkte gehen zurück.“

„Welche IT-Lösungen sind für Landwirte heute dabei besonders hilfreich?“

„Es gibt zahlreiche Instrumente. Für die Bestandserfassung wurden die John Deere Produkte Farmsight und JD Link in das System 1C integriert. Eine weitere Lösung ist der Softwaretyp CPS für die Automatisierung der Landwirtschaft nach Wirtschaftsbereichen. Für Zwecke der Dokumentation überzeugen die Möglichkeiten von John Deere HarvestLab. Hier gibt es so viele Anwendungsmöglichkeiten, dass man einen eigenen Artikel füllen könnte.“

„In welchen Bereichen kommt die „intelligente Landwirtschaft“ derzeit in Russland tatsächlich schon zum Einsatz?“

„Wir haben eine intensive Testphase für „intelligente Lösungen“ im Gebiet Woronesh begonnen und konzentrieren uns derzeit auf drei Bereiche: die differenzierte Ausbringung von Dünger, die differenzierte Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und die differenzierte Aussaat. Wir führen Analysen der Biomasse sowie Strukturanalysen des Bodens durch und erstellen Ernteertragskarten. Alle Informationen werden in einem System zusammengeführt. Auf der Grundlage dieser Daten bearbeiten wir den Boden.“

„Aber in Russland sind differenzierte Ansätze in der Landwirtschaft ohnehin schon verbreitet“.

„Das ist richtig, aber bislang waren diese unsystematisch und daher nicht besonders effektiv. Wenn sich in einem Abschnitt des Feldes die Pflanzen schlecht entwickeln, muss man dort mehr Düngemittel ausbringen. Wachsen sie gut, brauchen sie weniger. Niemand hat sich bisher die Frage gestellt, ob es nicht an der Bodenbeschaffenheit oder an anderen Faktoren liegen könnte, dass der Ernteertrag niedrig ist? Und wozu dort Düngemittel verschwenden? Wäre es nicht sinnvoller, sie auf erfolgversprechenderen Böden auszubringen? Das Ziel unserer Entwicklungen und Tests ist, für jede Pflanze die Bedingungen zu schaffen, die für sie optimal sind. Nicht weniger und nicht mehr. Wir wollen in den nächsten Jahren erkunden, welche Verfahren der „intelligenten“ Landwirtschaft im Gebiet Woronesh wirtschaftlich sinnvoll sind. Ich gehe davon aus, dass wir bereits im nächsten Jahr bezüglich der differenzierten Ausbringung von Düngemitteln und einer differenzierten Aussaat auf genaue Ergebnisse zurückgreifen können. Vor uns liegt eine sehr interessante Phase praktischer Erfahrungen und, da bin ich sicher, sehenswerter Ergebnisse.“

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