„Mit Vertrauen in die Menschen und Liebe zum Boden“

Portrait Wladimir Selichow

Wladimir Selichow, Leiter des landwirtschaftlichen Betriebes „Letjashje“ aus dem Gebiet Tomsk, lernte ich vor ein paar Jahren auf der Internationalen Landtechnikfachmesse AGROSALON in Moskau kennen.

„Ich wollte mir einen neuen Raupentraktor aussuchen, denn unser wurde unlängst von irgendwelchen Gutmenschen angezündet“, sagt Wladimir Selichow schmunzelnd. „Wundern Sie sich bitte nicht, aber bei uns gab es bereits neun Brandstiftungen. Nichts desto trotz schreiten wir weiter voran!“

Ja, so arbeitet der Landwirt Wladimir Selichow bereits seit über zwanzig Jahren: mit Elan und einem Lächeln.

Wer nicht riskiert, der nicht gewinnt

Wladimir Selichow ist ein Mensch mit einem sehr starken Willen, unglaublichem Optimismus und vom Wunsch beseelt, auf dem Acker zu arbeiten. Auf meine Frage, woraus er die Kraft schöpft, alle Hürden zu nehmen und erfolgreich zu sein, antwortet er aus tiefstem Herzen: „Aus der Liebe zum Boden.“

„Die Arbeit auf dem Lande ist nicht eine Arbeit schlechthin, sondern eine Art zu leben“, sagt er. „Wir wetteifern mit niemandem, bauen einfach nur Getreide an, halten Vieh, arbeiten für die Menschen, für uns und für unsere Kinder.“

Wenn an der Spitze eines Betriebes ein zielstrebiger, entschlossener und von seiner Sache begeisterter Leiter steht, geht die Arbeit leicht von der Hand, und die Pläne werden Realität. Heute gehört der landwirtschaftliche Betrieb „Letjashje“ zu den größten Weizenproduzenten für die Nahrungsmittelindustrie in der Region. Auf 50 % der Flächen wird Weizen angebaut. Jährlich werden durchschnittlich 30.000 Tonnen geerntet. Darüber hinaus baut der Betrieb Raps, Hafer, Gerste, Erbsen und mehrjährige Gräser an. Landwirtschaft ist in der Tomsker Region eine riskante Angelegenheit.

„Man sagt, ich habe Glück gehabt, denn der Betrieb befindet sich im Süden des Gebiets Tomsk. Ja, aber das ist der Norden des Gebiets Nowosibirsk!“ – schmunzelt Wladimir Selichow wieder. „Etwa 250 km nördlich von uns reift überhaupt kein Getreide mehr. Und die Niederschläge in der Wachstumsperiode – sind sehr ergiebig. Früh setzt der Nebel ein, und der Herbst ist regnerisch. Deshalb stellt jeder Sommer eine neue Prüfung für die Landwirte dar: alles oder nichts.“

Um unter diesen extremen Bedingungen erfolgreich zu sein, wird in allen Phasen der Produktion moderne, leistungsstarke Technik eingesetzt, kommen ressourcensparende Technologien zur Anwendung und wird die Bodenbewirtschaftung ständig verbessert.

Um das Risiko gering zu halten, beschloss Wladimir Selichow im Jahr 2006, Fleischrinder zu halten. Es wurden 50 Hereford-Zuchtfärsen angeschafft und eine Rinderanlage gebaut. Vor einigen Jahren wurde mit der Vermehrungszucht begonnen. Jetzt hat der Betrieb bereits 545 Mastkühe, der Viehbestand wuchs auf 1330 Tiere an.

Vom Imker zum Bauer

Der Betrieb „Letjashje“ hat heute 12.800 Hektar, am Anfang waren es 50 Hektar. Wie Wladimir Selichow sagt, ist er dazu rein zufällig gekommen.

„Als 1991 in ganz Russland eine Welle der Bauernbewegung durchs Land ging, wollte mein Freund aus Nowosibirsk im Rayon Koshewnikowo eine Imkerei aufbauen. Als Ortsansässiger erhielt ich dafür ohne großen bürokratischen Aufwand Land.“

Bald aber hatte es sich der Freund anders überlegt, und Wladimir Selichow blieb Eigentümer des Grund und Bodens. Damals arbeitete er noch bei der OOO Agropromchimija. 2001 beschloss er dann, sich mit Landwirtschaft zu beschäftigen. Er nahm Kredite bei Banken auf und kaufte neue Technik. Sein erster Kettentraktor war der T-150.

Satellitensysteme

Heute kann man Wladimir Selichow wirklich nur um seinen Technikpark beneiden. Er verfügt über mehr als 100 Selbstfahrer und Kettenfahrzeuge! So viele Maschinen besitzen selbst viele große Agrarholdings der Region nicht! Größtenteils sind es ausländische Marken. Darunter eine große Palette von Gerätesystemen zur Aussaat und Bodenbearbeitung, Traktoren und Erntemaschinen von John Deere, die universellen Lader von JCB, Futtererntetechnik von Poettinger und Technik von Vaderstad.

Die Hälfte seiner Landmaschinen kaufte Wladimir Selichow bei EkoNivaSibir. Sein ganzer Stolz ist die kürzlich erworbene Selbstfahrende Feldspritze von John Deer!

„So eine Maschine hat noch niemand in unserem Gebiet“, sagt Wladimir Selichow. „Wir haben schon zwei Stück davon gekauft! Zur neuen Saison haben wir auch eine Seed Hawk von Vaderstad gekauft. Im Frühjahr werden wir diese Direktdrillmaschine zum ersten Mal auf unseren Feldern einsetzen!

Ja, Wladimir Selichow liebt Experimente. Vor vier Jahren hat sein Betrieb als erster in der Region mit Unterstützung von GPS und GLONASS Sommerkulturen in der Nacht ausgesät. Durch diese Technologie wird die Aussaat nicht nur beschleunigt, indem die Dauer um über 30 Prozent verkürzt wird, sondern sie ermöglicht auch eine gleichmäßigere Saatausbringung. Und das mitunter sogar ohne Fahrer.

„Früher haben wir nach Augenmaß gesät“, erzählt Wladimir Selichow. „Das Feld musste man so „zuschneiden“, dass die Spur gerade war. Besonders angesehen war immer der Fahrer, dem das gut und möglichst präzis gelang. Heutzutage gibt es keine Neuaussaat und keine ausgelassenen Stellen mehr auf dem Feld. Die Navigationsgeräte berechnen die Route des Traktors so genau, dass die Überlappung nur noch 10 cm beträgt und Fehler ausgeschlossen sind. Dabei kann der Traktor über das Navigationssystem mit Autopilot unter Kontrolle des Fahrers, als auch ganz ohne Fahrer gelenkt werden. Wunderbare Satellitensysteme!

Aktive Schulung statt passive Erholung!

Der Kauf moderner Technik ist ein kostspieliges Vergnügen. Deshalb ist Wladimir Selichow bestrebt, die neuen Geräte mit einem maximalen Nutzen einzusetzen. So erwartet er von den Anbietern regelmäßige Schulungen für seine Spezialisten. Dafür sind ihm weder Geld noch Zeit zu schade.

„Viele Unternehmen arbeiten nach dem Prinzip – Hauptsache verkaufen“, sagt Wladimir Selichow. „Nach dem Verkauf bieten sie dann weder einen ordentlichen Service an, noch Schulungen, um zu zeigen, wie man mit dieser Technik den erforderlichen Effekt erzielen kann.“

In dieser Frage werden sie von EkoNivaSibir unterstützt. Das Unternehmen führt ständig Schulungen und Meisterkurse für Spezialisten der landwirtschaftlichen Betriebe durch und organisiert Maschinenvorführungen. Auf Bitte von Wladimir Selichow wurde das Kursprogramm für Fahrer ausgebaut.

„Wladimir Selichow hält uns immer auf dem Laufenden!“, sagt Alexander Sujew, Verkaufsleiter von EkoNivaSibir. „Seine Empfehlungen und Vorschläge sind für uns sehr wichtig, da sie unsere landwirtschaftlichen Betriebe voranbringen. Dafür arbeiten wir ja, dass sich die Investitionen in die technische Ausstattung in maximalem Gewinn für die Landwirte und hohen Produktionszahlen niederschlagen.“

Wladimir Selichow selbst zieht auch der passiven Erholung eine aktive Schulung vor. Er besucht regelmäßig Messen und Seminare im Ausland und übernimmt die Erfahrungen führender europäischer Agrarbetriebe. Mehrfach ist er bei Landmaschinenherstellern in Deutschland, Kanada, Großbritannien und Österreich gewesen. Oft nimmt er dazu auch die Spezialisten seines Betriebes mit.

„Die Menschen müssen ständig weitergebildet werden, und ich selbst muss auch lernen“, sagt Wladimir Selichow. „Die Welt bleibt nicht stehen. Man muss wachsen und sich weiterentwickeln. In der Landwirtschaft darf es keinen Stillstand geben.“

Vertrauen statt kontrollieren!

Für seine 120 Mitarbeiter ist Wladimir Selichow nicht einfach nur Leiter. Er ist auch noch ihr Lehrmeister, Schutzpatron und Helfer. Er baut Häuser und zahlt Umzugsgeld. Kurz gesagt, tut alles dafür, dass seine Beschäftigten komfortabel leben und arbeiten können. Er beurteilt sie nicht nach ihren Augen, sondern nach den Leistungen. Aber er klopft ihnen nicht auf die Finger. Das würde jede Initiative und jeden Arbeitsanreiz zunichtemachen, meint er.

„Wir arbeiten auf der Grundlage des Vertrauens“; sagt Wladimir Selichow. „Wenn jemand nicht anständig, ehrlich und verantwortungsvoll ist, dann ist von ihm auch in der Arbeit nicht viel zu erwarten, selbst wenn er noch so klug ist.“

Er möchte, dass sich die Beschäftigten als Mitglieder eines gemeinsamen Unternehmens fühlen und keine Angst haben, Verantwortung zu übernehmen.

Zur Person

Wladimir Selichow ist seit 2001 Vorsitzender des Verbandes der bäuerlichen Betriebe und Genossenschaften Russlands AKKOR des Gebiets Tomsk. 2007 wurde er Ehrenbürger des Gebiets Tomsk. 2013 wurde er Ehrenlandwirt Russlands.

 Von Anna BORDUNOWA

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